Da krähte ein Hahn
Text: Johannesevangelium 13, 36–38 und 18, 15-18 und 18, 25-27 - Übersetzung: Hoffnung für alle
13, 36 Da fragte ihn Simon Petrus: 'Herr, wohin gehst du?' Jesus antwortete ihm: 'Wo ich hingehe, kannst du jetzt nicht mitkommen. Aber du wirst mir später folgen.' 37 'Lass mich doch jetzt bei dir bleiben', bat ihn Petrus und beteuerte: 'Ich bin sogar bereit, für dich zu sterben!' 38 Da antwortete Jesus: 'Du willst für mich sterben? Ich versichere dir: Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen!'
18, 15 Simon Petrus und ein anderer Jünger folgten Jesus, als er abgeführt wurde. Weil dieser andere Jünger mit dem Hohenpriester bekannt war, ließ man ihn mit Jesus bis in den Innenhof des hohepriesterlichen Palastes gehen. 16 Petrus blieb draußen vor dem Tor stehen. Da kam der andere Jünger, der Bekannte des Hohenpriesters, wieder zurück, redete mit der Pförtnerin und verschaffte Petrus Zutritt. 17 Die Pförtnerin fragte Petrus: 'Gehörst du nicht auch zu den Jüngern dieses Mannes?' 'Nein, ich nicht!', antwortete er. 18 Die Männer der Tempelwache und die Diener des Hohenpriesters hatten ein Kohlenfeuer angezündet. Sie standen um das Feuer herum und wärmten sich, denn es war kalt. Petrus ging zu ihnen, um sich auch zu wärmen.

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18, 25 Simon Petrus stand noch immer am Feuer und wärmte sich. Da fragte man ihn: ''Bist du nicht auch einer von seinen Jüngern?' 'Nein, ich bin es nicht', leugnete er. 26 Aber ein Diener des Hohenpriesters, ein Verwandter des Mannes, dem Petrus das Ohr abgehauen hatte, meinte: 'Ich habe dich doch selbst im Garten bei ihm gesehen!' 27 Wieder stritt Petrus ab, Jesus zu kennen. Und im selben Augenblick krähte ein Hahn.
Petrus erzählt
Auf dem Straßenpflaster vor dem Palast des Hohepriesters lag ich mit dem Kopf nach unten und die Hände vor dem Gesicht. Da krähte ein Hahn. In diesem Moment kamen Maria aus Magdala und die anderen und fragten, was geschehen war. Noch war es dunkel, aber die Hähne kündigten bereits die Morgendämmerung an.
Ich schämte mich. Abgrundtief. Das war mir so peinlich vor all den Leuten. Ich wäre am liebsten im Erdboden versunken. In diesen Augenblicken wollte ich sterben und dachte: 'Ach, wäre ich doch nie geboren!' Gerade vorhin habe ich Jesus, meinen allerbesten Freund, verleugnet. Leute sagten mir, sie würden mich erkennen, sie hätten mich bei Jesus gesehen, ich wäre einer von denen, die bei ihm waren. Da beteuerte ich: 'Was redet ihr für dummes Zeug!? Zum Teufel, lasst mich in Ruh!' Als sie mich festnehmen wollten, schwor ich: 'Meine Hand lege ich ins Feuer. Nicht einmal ein Barthaar habe ich von ihm gesehen. Noch nie in meinem Leben hatte ich mit dem zu tun. So glaubt mir doch!'
Als wir vergangenen Abend beim gemeinsamen Mahl zusammensaßen, habe ich den Mund voll genommen und versprach Jesus, für ihn würde ich alles tun, sogar in den Tod für ihn gehen. Jesus versicherte mir: 'Ehe der Hahn kräht, wirst du dreimal geleugnet haben, mich zu kennen!'
Kann es viel Schlimmeres geben als seinen liebsten Menschen zu verleugnen? Jesus wusste um meine Ängste, um meine Todesangst, er kannte meine menschliche Schwäche. Ihm war klar, dass ich meinen eigenen Kopf aus der Schlinge retten wollte. Er machte mir keinen Vorwurf. Kein Wort der Anklage kam aus seinem Mund. So wie er allen vergab, die sich an ihm schuldig machten, auch denen, die ihn zu Tode brachten, vergab er auch mir, seinem Verleugner. Bedingungslos. Voll und ganz. Erst da fing ich an zu ahnen, wie allumfassend groß die Liebe Jesu und die Liebe Gottes ist.