Dann lernt ihr auch mich kennen

Text: Johannesevangelium 7, 10–31 - Übersetzung: Hoffnung für alle

10 Nachdem seine Brüder nach Jerusalem gereist waren, ging auch Jesus dorthin, allerdings heimlich und ohne öffentlich in Erscheinung zu treten. 11 Die führenden Männer des jüdischen Volkes suchten ihn während des Festes und fragten überall: 'Wo ist denn dieser Jesus?' 12 Auch unter den Festbesuchern wurde viel über ihn gesprochen. Einige hielten ihn für einen guten Menschen, andere wieder behaupteten: 'Er verführt das Volk! (zur falschen Religion, Anm. )' 13 Aber keiner hatte den Mut, frei und offen seine Meinung über ihn zu sagen. Alle fürchteten sich vor den führenden Männern. 14 Als die Festwoche zur Hälfte vorüber war, ging Jesus in den Tempel und lehrte dort öffentlich. 15 Die Juden staunten: 'Wie kann jemand so viel aus der Heiligen Schrift wissen, obwohl er nicht darin unterrichtet worden ist?' 16 Jesus erwiderte auf ihre Frage: 'Was ich euch sage, sind nicht meine eigenen Gedanken. Es sind die Worte Gottes, der mich gesandt hat. 17 Wer bereit ist, Gottes Willen zu tun, der wird erkennen, ob diese Worte von Gott kommen oder ob es meine eigenen Gedanken sind. 18 Wer seine eigene Lehre verbreitet, dem geht es um das eigene Ansehen. Wer aber Anerkennung und Ehre für den sucht, der ihn gesandt hat, der ist vertrauenswürdig und hegt keine falschen Absichten. 19 Mose hat euch doch das Gesetz gegeben, aber keiner von euch lebt danach! Mit welchem Recht also wollt ihr mich töten?' 20 Da empörte sich die Menge: 'Du bist ja besessen! Wer will dich denn umbringen?' 21 Jesus entgegnete: 'Ihr ärgert euch darüber, dass ich hier am Sabbat einen Menschen geheilt habe! 22 Mose hat angeordnet, dass eure Kinder am achten Tag beschnitten werden sollen. Genau genommen geht die Beschneidung gar nicht auf Mose zurück, sondern schon auf die Stammväter. Auch eure Söhne werden am achten Tag beschnitten, selbst wenn es ein Sabbat ist. 23 Wenn ein Mensch am Sabbat an einem Teil seines Körpers beschnitten werden darf, um das Gesetz von Mose nicht zu brechen, warum seid ihr dann so erbittert darüber, dass ich einen Menschen am Sabbat am ganzen Körper gesund gemacht habe? 24 Richtet nicht nach dem äußeren Schein, sondern urteilt gerecht!' 25 Da meinten einige Leute von Jerusalem: 'Ist das nicht der Mann, den sie töten wollen? 26 Jetzt redet er hier in aller Öffentlichkeit, und keiner verbietet es ihm. Sollte der Hohe Rat etwa tatsächlich davon überzeugt sein, dass er der Christus ist, der von Gott versprochene Retter? 27 Aber er kann es doch gar nicht sein! Schließlich kennen wir seine Herkunft. Wenn der Christus kommt, wird niemand wissen, woher er stammt.' 28 Darauf rief Jesus, der noch immer im Tempel lehrte, den Menschen zu: 'Kennt ihr mich wirklich und wisst ihr, woher ich komme? Ich bin nicht in meinem eigenen Auftrag gekommen. Der mich gesandt hat, ist wahrhaftig und zuverlässig. Ihr kennt ihn nicht, 29 aber ich kenne ihn, weil ich von ihm komme und er mich gesandt hat.' 30 Nach diesen Worten hätten sie ihn am liebsten festgenommen; doch keiner wagte es, gegen ihn vorzugehen. Denn seine Zeit war noch nicht gekommen. 31 Viele seiner Zuhörer im Tempel aber begannen, an Jesus zu glauben, und sagten: 'Der Christus kann wohl kaum mehr Wunder vollbringen als dieser Mann hier!'

Gottes Wort ist uns Orientierung

Jesus erzählt:

Im Einssein mit meinem Abba habe ich erfahren, wann die rechte Zeit für mich ist, nach Jerusalem zum Laubhüttenfest zu gehen und öffentlich im Tempel von ihm zu sprechen.

Menschen in Jerusalem staunten über meine Gottesverkündigung. Es waren aber in erster Linie die religiösen Führer unseres Volkes, die sagten: 'Jesus hat doch keine Bibelschule besucht wie unsere Rabbis und keine theologische Ausbildung genossen. Er ist auch von uns gar nicht beglaubigt und bevollmächtigt, von Gott zu reden. Noch dazu kennen wir seine Herkunft. Er kommt aus dem weltvergessenen Nest Nazareth in Galiläa. Ein Ungebildeter ist er, bloß ein einfacher Handwerker.'

Ich antwortete ihnen: 'Nicht von außen habe ich Gott kennengelernt, sondern in meinem Herzen erfahren als den mütterlich und väterlich ewig Liebenden, als unendlich Gütigen und Menschenfreundlichen, als grenzenlos Barmherzigen und vorbehaltlos Vergebenden, als uneingeschränkt Sanftmütigen und Gewaltfreien, als unermesslichen Frieden und unvergängliche Geborgenheit.

Gott, der nur Liebe ist, ist für mich grundlegend für meine Gottesverkündigung.

Ihr habt mir schwere Vorwürfe gemacht und mir unterstellt, ich würde das Gesetz des Moses nicht beachten, weil ich vor einiger Zeit an einem Sabbat einem Mann am Betesdateich Heilung gebracht habe, der 38 Jahre gelähmt war. (Johannes 5, 1-18) Ich sage euch: Ihr legt das Gesetz des Moses lieblos und unmenschlich aus. Heilung ist medizinische Tätigkeit, daher am Sabbat untersagt, sagt ihr. Jemand Leidendem Heilung zu bringen ist nie verboten - auch nicht am Sabbat, sage ich. Außerdem bringt ihr doch selbst am Sabbat eure kleinen Buben zur Beschneidung. Das ist doch auch medizinische Tätigkeit.'

Lernt vom liebenden Gott gütige, menschliche Menschen zu werden! Das ist Gottes Wille für uns alle.

Ihr meint, ihr kennt mich und wisst, woher ich komme. Ich sage euch: Ihr kennt mich nicht, solange ihr Gott verkündet als strengen Gesetzeshüter, als Angst machenden Richter, der straft, verstoßt, verflucht und verdammt. Kehrt um zu Gott, der unendlichen Liebe und Barmherzigkeit! Dann lernt ihr auch mich kennen.'