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Draußen vor der Mauer
Text: Matthäusevangelium 21, 33-41 - Einheitsübersetzung neu
Hört noch ein anderes Gleichnis: Es war ein Gutsbesitzer, der legte einen Weinberg an, zog ringsherum einen Zaun, hob eine Kelter aus und baute einen Turm. Dann verpachtete er den Weinberg an Winzer und reiste in ein anderes Land. Als nun die Erntezeit kam, schickte er seine Knechte zu den Winzern, um seine Früchte holen zu lassen. Die Winzer aber packten seine Knechte; den einen prügelten sie, den andern brachten sie um, wieder einen anderen steinigten sie. Darauf schickte er andere Knechte, mehr als das erste Mal; mit ihnen machten sie es genauso. Zuletzt sandte er seinen Sohn zu ihnen; denn er dachte: Vor meinem Sohn werden sie Achtung haben. Als die Winzer den Sohn sahen, sagten sie zueinander: Das ist der Erbe. Auf, wir wollen ihn umbringen, damit wir sein Erbe in Besitz nehmen. Und sie packten ihn, warfen ihn aus dem Weinberg hinaus und brachten ihn um. Wenn nun der Herr des Weinbergs kommt: Was wird er mit jenen Winzern tun? Sie sagten zu ihm: Er wird diese bösen Menschen vernichten und den Weinberg an andere Winzer verpachten, die ihm die Früchte abliefern, wenn es Zeit dafür ist.
Worte des Lebens für uns
1. Die beiden Bilder - zwei Wege hinaus
Das obere Bild zeigt einen jungen Mann, den zwei andere mit festem Griff hinausführen. Er geht mit gesenktem Blick, wissend, was kommt. Hier wird einer hinausgedrängt, verstoßen, - hinaus vor die Mauer.
Das untere Bild zeigt Jesus, von hinten, allein auf einem staubigen Weg außerhalb der Stadtmauer. Das Licht der Sonne umgibt ihn, doch auf dem Boden liegt der Schatten des Kreuzes. Er geht denselben Weg wie der Sohn im Gleichnis - hinaus, verachtet, abgelehnt.
Die beiden Szenen gehören zusammen: Das Gleichnis wird Wirklichkeit. Die Ablehnung des Sohnes im Gleichnis verweist auf die Ablehnung des Sohnes Gottes.
2. 'Draußen vor der Mauer'
Im biblischen Bild ist 'draußen vor der Mauer' nicht nur ein geographischer Ort. Drinnen, innerhalb der Mauern, herrschen Sicherheit, Ordnung, Besitz, Kontrolle. Draußen ist das, was diese Ordnung stört oder sie infrage stellt. Jesus stand damals für eine Botschaft, die Mauern ins Wanken brachte: Er durchbrach religiöse Grenzen, indem er mit Zöllnern und Sündern aß. Er stellte wirtschaftliche Macht in Frage, indem er vom Teilen sprach. Er kritisierte politische Macht, indem er Gottes Reich über jedes irdische Reich stellte. Die Mächtigen konnten damit nicht leben - also musste er hinaus.
3. Wenn Jesus heute käme
Die Frage ist unbequem: Wer würde ihn heute hinausstoßen? Nicht nur 'die anderen'. Die Botschaft Jesu spricht uns persönlich an, den Blick nach innen zu richten.
- Machtinteressen
Er würde sich gegen jede Form von Unterdrückung stellen - gegen Korruption, gegen Machtmissbrauch in Politik, Wirtschaft und auch in
Religionen. Wer seine Macht sichern will, fürchtet solche Worte.
- Reichtum und Besitz
Er würde anecken, wenn unser Wohlstand auf Kosten anderer gebaut ist - auf billigen Arbeitskräften, zerstörter Umwelt,
ausgebeuteten Ländern. Wer an seinen Komfort gebunden ist, fühlt sich bedroht.
- Selbstgenügsamkeit und Gleichgültigkeit
Er würde uns nicht in Ruhe lassen, wenn wir Leid vor unserer Tür übersehen - Armut, Einsamkeit, Flüchtlinge, Ausgegrenzte.
Wer seine Ruhe liebt, meidet den, der stört.
4. Der unbequeme Jesus
Wir haben oft ein Bild von Jesus, das in unsere religiösen Mauern passt: mild, freundlich, harmlos. Aber der Jesus der Evangelien stört - er stellt Fragen, die weh tun. Und genau das macht ihn für Machthaber und Besitzstandswahrer gefährlich. Damals wie heute gilt: Wer an Mauern festhält, wird ihn hinaustreiben. Vielleicht nicht mit Gewalt - aber durch Ignorieren, Schweigen, Wegschauen.
5. Hoffnung 'draußen'
Doch 'draußen vor der Mauer' ist nicht nur der Ort der Ablehnung. Es ist auch der Ort der Auferstehung. Die Stadtmauer Jerusalems hielt Jesus nicht gefangen. Der Stein wurde weggerollt - draußen, im Garten, begann das neue Leben. Wer Jesus heute draußen sucht - bei den Ausgegrenzten, den Armen, den Vergessenen - findet dort auch den Anfang der Hoffnung. Seine Botschaft sprengt Mauern. Sein Licht leuchtet nicht nur hinter Toren, sondern auf staubigen Wegen, wo der Schatten des Kreuzes liegt.
Vielleicht ist die entscheidende Frage nicht: 'Wer würde Jesus heute hinausstoßen?' Sondern: 'Bin ich bereit, ihm zu folgen - hinaus vor die Mauer, dahin, wo es unbequem wird, aber wo sein Licht leuchtet?'