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Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht
Text: Matthäusevangelium 6, 9–15 - Einheitsübersetzung neu
So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel, geheiligt werde dein Name, dein Reich komme, dein Wille geschehe wie im Himmel, so auf der Erde. Gib uns heute das Brot, das wir brauchen! Und erlass uns unsere Schulden, wie auch wir sie unseren Schuldnern erlassen haben! Und führe uns nicht in Versuchung, sondern rette uns vor dem Bösen! Denn wenn ihr den Menschen ihre Verfehlungen vergebt, dann wird euer himmlischer Vater auch euch vergeben. Wenn ihr aber den Menschen nicht vergebt, dann wird euch euer Vater eure Verfehlungen auch nicht vergeben.
Gottes Wort ist Liebesbotschaft an uns
"Euer Vater weiß, was ihr braucht, noch ehe ihr ihn bittet."
Dieser Satz steht unmittelbar vor dem Vaterunser und könnte der Schlüssel zu seinem tieferen Verständnis sein. Wenn Gott bereits weiß, was wir brauchen, warum sollen wir dann überhaupt noch beten?
Jesus antwortet nicht mit einer theologischen Erklärung, sondern sagt schlicht: "So sollt ihr beten: Unser Vater im Himmel ..." Beten heißt also nicht, Gott über unsere Bedürfnisse zu informieren - er kennt sie längst. Beten heißt auch nicht, Gott zu überreden, als müssten wir nur lange genug bitten, bis er nachgibt. Und Beten bedeutet erst recht nicht, Gottes Wohlwollen zu verdienen.
Noch ehe wir ein einziges Wort gesprochen haben, versichert Jesus uns: Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Diese Zusage ist wunderbar. Da ist jemand, der mich kennt. Der weiß, was mich bewegt. Der meine Sorgen kennt, auch wenn ich sie niemandem erzähle. Der meine Sehnsucht kennt, selbst wenn ich sie nicht in Worte fassen kann. Der auch das in mir kennt, was mir manchmal selbst verborgen bleibt.
Und IHM dürfen wir sagen: "Unser Vater." Damit beginnt alles. Nicht mit Leistung. Nicht mit richtigem Verhalten. Nicht mit Frömmigkeit. Sondern mit Vertrauen. Vielleicht verändert dieser erste Satz unser Verständnis der einzelnen Bitten.
"Dein Reich komme." Wir bitten darum, dass Gottes Güte Raum gewinnt in dieser Welt. Dass Angst, Gewalt und Rücksichtslosigkeit zurücktreten. Dass Barmherzigkeit stärker wird als Härte und Menschlichkeit heller als Gleichgültigkeit.
"Dein Wille geschehe." Dieser Satz meint nicht, dass alles, was geschieht, Gottes Wille sei. Wenn wir wissen wollen, was Gott will, schauen wir auf Jesus. Er heilt. Er richtet auf. Er vergibt. Er schenkt Hoffnung. Er nimmt Ausgegrenzte auf. So zeigt sich Gottes Wille: Gott will Leben. Gott will Heil. Gott will Menschlichkeit.
Dann beten wir: "Unser tägliches Brot gib uns heute." Wir dürfen Gott um das Alltägliche bitten: Nahrung, Gesundheit, Geborgenheit, Gemeinschaft, Kraft für den heutigen Tag. Nicht für ein ganzes Leben. Nur für heute. Und wieder klingt die Zusage mit: Euer himmlischer Vater weiß, was ihr braucht. Manchmal brauchen wir vielleicht etwas anderes, als wir selbst meinen. Vielleicht bitten wir um Erfolg und brauchen Mut. Wir wünschen, dass ein Problem verschwindet, doch wir brauchen Kraft, hindurchzugehen. Wir suchen Sicherheit, doch brauchen Vertrauen. Gott kennt alle diese tieferen Bedürfnisse unseres Herzens.
Dann beten wir: "Vergib uns unsere Schuld." Gott weiß längst, was geschehen ist. Wir müssen nichts verbergen. Wir dürfen vor ihm ehrlich sein. Und wir dürfen darauf vertrauen, dass wir trotz unseres Versagens in seiner Liebe bleiben. Gottes Vergebung macht uns frei, damit auch wir lernen, anderen zu vergeben. Vielleicht langsam, vielleicht nach manchen inneren Kämpfen. Aber wir müssen nicht für immer Gefangene unserer Schuld und Verletzungen bleiben.
Und zuletzt: "Erlöse uns von dem Bösen." Vielleicht ist das eine der zutiefst menschlichen Bitten. Bewahre uns davor, dass Angst unser Leben bestimmt. Dass seelische Wunden uns verbittert machen. Dass Hass unser Herz vergiftet. Dass wir gleichgültig werden gegenüber dem Leid anderer. Halte uns fest, wenn wir selbst keinen Halt mehr finden.