Gottes Einladung: Komm unter meine Flügel
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Gottes Einladung: Komm unter meine Flügel

Text: Matthäusevangelium 23, 13–39 - Einheitsübersetzung neu

"Jerusalem, Jerusalem, du tötest die Propheten und steinigst die Boten, die zu dir gesandt sind. Wie oft wollte ich deine Kinder sammeln, so wie eine Henne ihre Küken unter ihre Flügel nimmt; aber ihr habt nicht gewollt."

Gottes Wort ist Licht über unseren Pfaden

Auf diesem Bild entfaltet sich etwas ganz Alltägliches - und zugleich etwas zutiefst Berührendes. Es wird Abend. Eine Henne breitet ihre Flügel aus. Noch hat sie sich nicht ganz auf das Stroh gesetzt. Unter ihren Flügeln ist Raum. Die Küken können kommen. Eines nach dem anderen schlüpft hinein, an den Ort, wo es warm ist, geschützt und geborgen, wo es die Nähe der Mutter spürt.

Jesus greift dieses Bild auf, als er von Jerusalem spricht: "Wie oft wollte ich deine Bewohner um mich scharen, wie eine Henne ihre Küken unter die Flügel nimmt! Aber ihr habt nicht gewollt."

Diese Worte klingen voller Schmerz. Jesus tritt nicht als Richter vor Jerusalem. Er droht nicht. Er sagt nicht: Ihr habt nicht gewollt, darum sollt ihr meine Strafe spüren. Er klagt. In seinen Worten hören wir den Schmerz einer Liebe, die sich nach den Menschen ausstreckt und erfahren muss, dass sie zurückgewiesen wird.

Das Bild von der Henne ist wunderbar gewählt. Eine Henne zwingt ihre Küken nicht mit Gewalt unter ihre Flügel. Sie ruft, sie breitet ihre Flügel aus, bietet Schutz an. Aber die Küken müssen selber kommen.

So zeigt Jesus Gott. Gott breitet seine Flügel aus. Dies ist eines der zärtlichsten Gottesbilder der Bibel. Gott erscheint hier nicht als Herrscher auf einem Thron, nicht als Richter mit Gesetzbuch, nicht als allmächtiger König, vor dem die Menschen sich verneigen müssen. Gott gleicht einer Henne, die ihre Flügel ausbreitet. Unter diesen Flügeln ist Wärme, Geborgenheit, Platz. Die Flügel bleiben offen.

Das macht Jesu letzten Satz so schmerzlich: "Aber ihr habt nicht gewollt."

Warum wollen Menschen nicht? Sie glauben, Gott nicht zu brauchen und allein zurechtzukommen. Macht, Besitz und Ansehen sind ihnen wichtiger geworden als Gott. Sie haben sich so fest an ihre eigenen Vorstellungen von Gott gewöhnt, dass sie Gottes Stimme nicht mehr erkennen, wenn sie anders klingt, als erwartet.

Jesus erinnert an die Propheten und Boten Gottes. Immer wieder traten Menschen auf, die zur Umkehr zu Gott riefen. Sie mahnten zu sozialer Gerechtigkeit, Barmherzigkeit und zum Schutz der Schwachen. Doch ihre Stimmen wurden als unbequem verworfen.

Und Jesus weiß: Auch seine Stimme wird nicht von allen gehört werden. Doch er antwortet nicht mit Hass. Er breitet seine Flügel aus. Das ist die große Botschaft dieses Bildes. Gottes Antwort auf unsere Härte ist nicht noch mehr Härte, sondern Güte. Gottes Antwort auf unsere Angst ist Geborgenheit. Gottes Antwort auf unsere Schuld ist Vergebung und die Einladung zur Umkehr.