Jesu "Zeit"

Text: Johannesevangelium 7, 1–9 - Übersetzung: Hoffnung für alle

1 Danach zog Jesus weiter durch Galiläa. In Judäa wollte er sich nicht aufhalten, weil die führenden Männer der Juden dort seinen Tod beschlossen hatten. 2 Kurz vor dem jüdischen Laubhüttenfest aber 3 forderten ihn seine Brüder auf, mit ihnen nach Judäa zu gehen: 'Komm mit und zeig deinen Anhängern dort, welche Wunder du tun kannst! 4 Kein Mensch versteckt sich, wenn er bekannt werden will. Wenn du schon Wunder vollbringst, dann tu es vor aller Welt!' 5 So konnten seine Brüder nur reden, weil auch sie nicht an ihn glaubten. 6 Jesus antwortete ihnen: 'Jetzt kann ich noch nicht dorthin gehen, weil meine Zeit noch nicht gekommen ist. Ihr könnt gehen und tun, was ihr wollt. 7 Denn die Welt hat ja keinen Grund, euch zu hassen. Aber mich hasst sie, weil ich ihr böses Tun beim Namen nenne. 8 Geht ihr nur zum Fest! Ich komme diesmal nicht mit. Denn die Zeit zum Handeln ist für mich noch nicht da.' 9 Das sagte er zu seinen Brüdern und blieb in Galiläa.

Gottes Wort ist uns Orientierung

Jesus erzählt:

In Erinnerung an die lange Zeit vor mehr als tausend Jahren, als unser Volk nach der Flucht aus ägyptischer Versklavung sich in der Wüste aufhielt, pilgern jedes Jahr im Herbst Menschen aus unserem ganzen Land Israel nach Jerusalem zum Laubhüttenfest (hebräisch: Sukkot). Dieses Fest ist ein fixer Bestandteil im Jahreskreis unseres jüdischen Festkalenders. Während der mehrtägigen Feierlichkeiten bauen jüdische Familien und Gemeinden Laubhütten auf, um dort möglichst viel Zeit in Gemeinschaft zu verbringen. Es wird miteinander gegessen, getanzt und musiziert.

Mir wurde vom ersten Tag an, als meine Eltern erfahren haben, dass ich im Leib meiner Mutter bin, im überreichem Maß mütterliche und väterliche Liebe zuteil. Ihre Liebe hörte niemals auf. Urvertrauen hat mich mit Mutter und Vater verbunden. Davon zutiefst geprägt lernte ich schon als Kind, Urvertrauen zu entwickeln auf den mütterlich und väterlich ewig Liebenden, den ich wie meinen leiblichen Vater 'Abba' nannte. In mir entstand auch früh die Gewissheit, dass Gott der unendlich Gute ist, der allein weiß, was wirklich gut ist und wann für etwas die rechte Zeit ist. Wie ich mit meinen Eltern Einssein erlebte, erfuhr ich schon in jungen Jahren herzliche Innigkeit mit meinem himmlischen Abba. In meiner im Innersten erfahrenen Verbindung mit ihm lernte ich, ihn zu 'fragen': Was ist für mich richtig und wichtig? Und wann ist die rechte Zeit für etwas? Nicht mich und niemand andereren ließ ich über mich bestimmen - nur Gott allein.

In diesem Jahr redeten meine Angehörigen in Galiläa auf mich ein, zum Laubhüttenfest nach Jerusalem zu pilgern. Ich sollte mir doch die einmalige Gelegenheit nicht entgehen lassen, mich dort in der großen Öffentlichkeit bekannt zu machen und den vielen Leuten zu zeigen, wer ich bin und was ich kann. Tritt doch vor der Welt in Erscheinung, empfahlen sie mir. Meinen Verwandten antwortete ich: 'Meine Zeit ist noch nicht gekommen. Ich gehe nicht nach Jerusalem. Ich bleibe in Galiläa.' Damit machte ich ihnen höflich, aber bestimmt klar, dass ich sie nicht über mich bestimmen lasse.

In Jerusalem wurde ich vor allem von den religiösen Führern unserer jüdischen Religion vermisst. Klatsch und Tratsch brach los über mich. 'Wo ist er denn? Hat er sich versteckt?', fragten einige. Die einen sagten über mich: 'Jesus ist ein Guter.' Andere urteilten: 'Nein, er ist ein Böser und bringt die Leute von der richtigen Religion ab.'