Keiner fällt durch das Netz Gottes
generiertes Bild: Keiner fällt durch das Netz Gottes

Klicke auf das Bild, um es zu vergrößern!

Keiner fällt durch das Netz Gottes

Text: Matthäusevangelium 13, 47-48 - Übersetzung: Das Jesus-Evangelium

Womit soll ich die Gottesherrschaft vergleichen? Fischer ließen ein Schleppnetz hinab in den See. Es brachte Fische jeder Art zusammen. Als es gefüllt war, zogen sie es ans Ufer und setzten sich hin, um die Fische zu sortieren. Die Reinen unter ihnen warfen sie in Körbe, die Unreinen warfen sie zurück in den See.

Gottes Wort schenkt uns Trost und Zuversicht

Ein weites Netz wird ins Wasser gelassen. Es sinkt hinab in die Tiefe des Sees, dorthin, wo niemand mehr sieht, was geschieht. Und dann beginnt es zu sammeln. Nicht auszuwählen. Nicht zu prüfen. Nicht zu bewerten. Es sammelt alles, was ihm begegnet. Fische jeder Art, sagt Jesus. Und wenn wir die alte jüdische Unterscheidung hören, wissen wir: Da sind die ›Reinen‹, das sind die Fische mit Flossen und Schuppen, die Speisefische. Und da sind die 6rsaquo;Unreinen‹ - die anderen: das sind die Wassertiere ohne Flossen und ohne Schuppen, wie Hummer, Krebse, Kraken und so weiter. Sie sind zum Verzehr nicht geeignet.

Das ist das Erste, was dieses Gleichnis sagt: Die Bewegung Gottes ist eine sammelnde Bewegung. Gott wirft sein Netz aus - weit über die Grenzen unserer Kategorien hinaus. Seine Liebe reicht tiefer, weiter und umfassender, als wir es je erdenken können. Sie dringt in alle Wasser dieser Welt ein: in klare und trübe, in ruhige und aufgewühlte. Und sie sammelt. Nicht nur die, die ›passen‹. Und noch mehr: Auch das, was wir selbst am liebsten von uns wegstoßen würden, gehört dazu. Gott wirft sein Netz auch in uns aus. Er sammelt nicht nur die schönen, gelungenen Teile unseres Lebens. Er nimmt auch das Unfertige, das Gebrochene auf. Alles kommt ins Netz.

Dann wird das Netz ans Ufer gezogen, und das Sortieren beginnt. Hier muss man genau auf den Text achten. Was tun die Fischer wirklich? Sie wählen die Speisefische aus. Die anderen Wassertiere im Netz werfen sie zurück in den See, in ihren Lebensraum. Dabei steht kein Wort vom Wegwerfen, keine Silbe von Vernichten.

Menschen sind versucht, sofort zu fragen: Wer gehört zu den Reinen? Wer zu den Unreinen? Wir sortieren. Wir ziehen Linien. Wir erklären Menschen für richtig oder falsch, rein oder unrein, gut oder schlecht. Mit diesem Einteilen richten wir oft mehr Schaden an, als uns bewusst ist.

Jesus sagt: Eure Aufgabe ist eine andere. Nicht zu trennen, sondern mitzusammeln. Nicht auszugrenzen, sondern Raum zu geben.

Wenn die ›Unreinen‹ zurück ins Wasser geworfen werden, dann ist das kein Bild des Wegwerfens. Es ist ein Bild des Zurückgebens in den Lebensraum, in das Element, in dem sie leben. Gottes Handeln ist unendlich größer als unsere Kategorien von ›drinnen‹ und ›draußen‹. Es geht nicht um Vernichtung, sondern um Ordnung, um Heilwerden, um ein Zurückfinden an den richtigen Ort. Das ist die große Hoffnung, die in diesem Gleichnis mitschwingt: Gottes Blick ist ein Blick, der tiefer sieht als wir - nicht nur, was ist, sondern auch, was werden kann und werden wird.

So bleibt dieses Bild in uns stehen: Ein großes Netz, das sich durch die Wasser der Welt zieht. Ein Netz, in dem alles Platz hat. Ein Netz, das nichts übersieht. Und ein Gott, der Geduld hat. Geduld mit dieser Welt. Geduld mit mir und dir. Bis alles gesammelt ist. Bis alles ans Licht kommt. Bis alles seinen Ort findet. Bis alles von Gottes Liebe ausgeheilt ist. Gott lässt niemanden aus dem weiten Netz seiner ewigen Liebe fallen.