Kommen Mörder in den Himmel?
Text: Johannesevangelium 6, 36–40 - Wortgetreue Übersetzung aus dem Griechischen
36 Doch ich sprach zu euch: Wohl habt ihr (mich) gesehen, und doch vertraut ihr nicht. 37 Alles, was mir der Vater gibt, - zu mir wird es kommen, und wer zu mir kommt, den stoße ich nicht aus, 38 denn niedergestiegen bin ich aus dem Himmel nicht, um meinen Willen zu tun, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat. 39 Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat: alles, was er mir gegeben, nichts davon lasse ich zugrunde gehen, sondern lasse es auferstehen am Letzten Tage. 40 Ja, das ist der Wille meines Vaters, das jeder, der den Sohn schaut und vertraut auf ihn, unendliches Leben habe, und ich ihn auferstehen lasse am Letzten Tage.
Gottes Wort ist uns Orientierung
'Kommen Mörder in den Himmel?' Bei dieser Frage gehen die Emotionen hoch. Kein Wunder! Jahrhundertelang ist das duale Denken eingeprägt in den Köpfen der Menschen. Da sind auf der einen Seite die Rechtschaffenen, und auf der anderen Seite die Schlechten. Da sind auf der einen Seite die Guten, und auf der anderen Seite die Bösen. Da sind auf der einen Seite die Richtigen, und auf der anderen Seite die Falschen. Da sind auf der einen Seite die Frommen, und auf der anderen Seite die Gottlosen. Da sind auf der einen Seite die. die immer recht haben, und auf der anderen Seite die Dummen. Da sind auf der einen Seite die Leistungswilligen, und auf der anderen Seite die Nichtstuer. Da sind auf der einen Seite die guten Landsleute, und auf der anderen Seite die bösen Ausländer. Da sind auf der einen Seite die Sieger, und auf der anderen Seite die Verlierer. Diese Einteilungen ließen sich beliebig fortsetzen.
'Kommen Mörder in den Himmel?' Bei dieser Frage geraten die Gemüter in Wallung. Das erstaunt nicht. Jahrhundertelang wurde verkündet: Gott ist ein gerechter Richter, der die Guten belohnt und die Bösen bestraft. Dieser Glaubenssatz sitzt tief.
Das ist mein Glaube: Das duale Denken kommt nicht von Gott, sondern ist rein menschliche Erfindung. Ebenso stammt das Bild vom gerecchten Richter, der die Guten belohnt und die Bösen bestraft, nicht von Gott, sondern ist Spiegelung menschlichen Verhaltens auf Gott.
Woher ich das weiß? Von Jesus und seiner Botschaft.
Jesus verkündet uns mit seiner Person, mit seinem Leben, Denken, Reden und Handeln Gott als den mütterlich und väterlich Liebenden, grenzenlos Gütigen und Barmherzigen, bedingungslos Vergebenden. Alles ist Gnade, nichts ist Verdienst. Kein Leistungslohn bei Gott!
An die Selbstgerechten, die von ihrer reinen Weste so überzeugt sind, richten die Heiligen Schriften die Botschaft:
Wenn du, Gott, jedes Vergehen gnadenlos anrechnest, wer kann dann vor dir bestehen? Doch bei dir finden wir Vergebung. (Psalm 130, 3)
Wer von euch noch nie gesündigt hat, soll den ersten Stein werfen! (Johannesevangelium 8, 7b)
Urteilt nicht über andere, damit Gott euch nicht verurteilt. Denn so wie ihr jetzt andere richtet, werdet auch ihr gerichtet werden. Und mit dem Maßstab, den ihr an andere anlegt, werdet ihr selbst gemessen werden. Warum siehst du jeden kleinen Splitter im Auge deines Mitmenschen, aber den Balken in deinem eigenen Auge bemerkst du nicht? Wie kannst du zu ihm sagen: 'Komm her! Ich will dir den Splitter aus dem Auge ziehen!', und dabei hast du selbst einen Balken im Auge! (Matthäusevangelium 7, 1-5)
Die Gesunden brauchen keinen Arzt, sondern die Kranken. Ich bin gekommen, um Sünder in die Gemeinschaft mit Gott zu rufen, und nicht solche, die sich sowieso für gut genug halten. (Markusevangelium 2, 17)
Das aber ist der Wille dessen, der mich gesandt hat: alles, was er mir gegeben, nichts davon lasse ich zugrunde gehen, sondern lasse es auferstehen am Letzten Tage. (Johannesevangelium 6, 39)
Ich vertraue auf Jesus den guten Hirten, der keines seiner Schäfchen verlorengehen lässt, sondern jedem solange nachgeht, bis er es findet. Dann trägt er es heim. Jesu Wirken ist das große Heimholungswerk aller Geschöpfe.
'Kommen Mörder in den Himmel?' Die Antwort lautet eindeutig: Ja!