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Kommentar zu Matthäus 21, 42
Text: Matthäusevangelium 21, 42 - Einheitsübersetzung neu
42 Und Jesus sagte zu ihnen: Habt ihr nie in der Schrift gelesen: Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden; vom Herrn ist das geschehen und es ist wunderbar in unseren Augen?
Kommentar
Die Begriffe Grundstein, Schlussstein und Eckstein werden im Alltag oft durcheinandergebracht. Architektonisch bezeichnen sie jedoch unterschiedliche Dinge - und gerade deshalb tragen sie jeweils eine eigene symbolische Bedeutung.
Der Grundstein - die tragende Basis
Der Grundstein gehört zum Fundament eines Gebäudes. Traditionell ist er einer der ersten Steine, die beim Bau gelegt werden. Von ihm aus wird die Lage sowie die Ausrichtung des weiteren Mauerwerks bestimmt. Wesentlich ist seine bildhafte Bedeutung: Der Grundstein liegt unten und trägt alles, was darüber entsteht. Nur auf einem soliden Grund kann etwas Stabiles und Dauerhaftes errichtet werden. Deshalb eignet sich der Grundstein als Symbol dafür, worauf ein Leben, eine Gemeinschaft oder Glaube gegründet ist: Der Grundstein trägt das, was auf ihm aufgebaut wird.
Der Schlussstein - das verbindende Element
anz anders verhält es sich beim Schlussstein eines Bogens. Er befindet sich nicht am Fuß, sondern an der Spitze im Scheitelpunkt des Bogens. Traditionell wird er als letzter eingesetzt und schließt den Bogen. Bei einem gemauerten Bogen sind die einzelnen keilförmigen Steine so angeordnet, dass die auftretenden Kräfte als Druck zu den seitlichen Stützpunkten weitergeleitet werden. Der Schlussstein schließt diese Folge ab und ist Teil dieses kraftvollen Gefüges. Beim Kreuzrippengewölbe trifft man auf einen ähnlichen Befund: An der höchsten Stelle, wo sich die Rippen kreuzen, sitzt häufig ein besonders gestalteter Gewölbeschlussstein. Er kann rund, ornamental oder figürlich ausgearbeitet sein. Seine starke symbolische Aussage lautet daher: Der Schlussstein vollendet das Bauwerk und hält es zusammen. Dort, wo von verschiedenen Seiten Strukturen zusammenlaufen, findet alles seinen endgültigen Abschluss.
Der Eckstein - Orientierung und Verbindung
Der Eckstein befindet sich ursprünglich an den Ecken eines Gebäudes, dort wo zwei Mauern aufeinandertreffen. Gerade in historischem Mauerwerk konnte ein sorgfältig gesetzter und bearbeiteter Eckstein entscheidend für die Ausrichtung und den stabilen Verbund der Mauern sein. Seine Symbolik unterscheidet sich vom Grundstein: Der Grundstein sagt: Darauf steht alles. Der Eckstein hingegen sagt: Daran richtet sich der Bau aus; hier verbinden sich verschiedene Seiten. Und der Schlussstein schließlich sagt: Hier findet das Ganze seinen Abschluss und Zusammenhalt.
Warum das biblische Bild vom "Eckstein" spannend ist
Wenn es in Matthäus 21,42 heißt: "Der Stein, den die Bauleute verworfen haben, er ist zum Eckstein geworden", verweist dies auf Psalm 118,22. Das verwendete Bild ist nicht mit unserer modernen Vorstellung eines einzelnen "Ecksteins" zu vergleichen. Das hebräische rosch pinnah bedeutet wörtlich etwa "Haupt der Ecke". Auch das griechische kephale gonias trägt die Idee von "Haupt" und "Ecke" in sich.
Deshalb umfasst die Bildsprache mehr als nur "Jesus ist das Fundament". Vielmehr erhält der verworfene Stein eine zentrale Stellung im gesamten Bauwerk.