Warum bin ich nicht ICH SELBST gewesen?

Text: Johannesevangelium 7, 40–53 und 8, 1 - Übersetzung: Hoffnung für alle

40 Nach diesen Worten waren einige davon überzeugt: ''Er ist wirklich der Prophet, den Mose uns angekündigt hat.' 41 Andere wieder sagten: 'Nein, er ist der Christus, der von Gott gesandte Retter!' Eine dritte Gruppe meinte: 'Das kann gar nicht sein! Er kommt doch aus Galiläa, 42 und in der Heiligen Schrift heißt es schließlich, der Christus soll von David abstammen und wie David aus Bethlehem kommen.' 43 So waren die Meinungen über Jesus sehr geteilt. 44 Einige hätten ihn gern festgenommen; aber keiner wagte es, gegen ihn vorzugehen. 45 So kehrte die Tempelwache zu den obersten Priestern und den Pharisäern zurück, ohne Jesus festgenommen zu haben. 'Weshalb bringt ihr ihn nicht mit?', stellten sie die Soldaten zur Rede. 46 Die Soldaten verteidigten sich: 'Noch nie hat ein Mensch so geredet wie dieser Mann!' 47 Da wurden die Pharisäer ärgerlich: 'Habt ihr euch also auch von ihm beschwatzen lassen? 48 Gibt es etwa unter uns Pharisäern oder Mitgliedern des Hohen Rates auch nur einen Einzigen, der diesem Menschen glaubt? 49 Nur dieses verfluchte Volk läuft ihm nach, das keine Ahnung vom Gesetz hat.' 50 Doch Nikodemus, der auch zu den Pharisäern gehörte und Jesus früher einmal aufgesucht hatte, widersprach ihnen: 51 'Seit wann verurteilt denn unser Gesetz einen Menschen, ehe man ihn verhört und ihm seine Schuld nachgewiesen hat?' 52 Da fragten ihn die anderen Pharisäer: 'Bist du etwa auch aus Galiläa? Du brauchst nur in der Heiligen Schrift nachzulesen. Dann weißt du: Kein Prophet kommt aus Galiläa!' 53 Danach gingen sie alle nach Hause. 8, 1 Jesus verließ die Stadt und ging zum Ölberg.

Gottes Wort ist uns Orientierung

Die einen hielten Jesus für DEN Propheten, den Mose 1200 Jahre vChr. angekündigt hatte: '15 Er (= Gott) wird euch einen Propheten wie mich senden, einen Mann aus eurem Volk. Auf den sollt ihr hören!' (5. Buch Mose 18, 15) und '18 Ich (= Gott) will ihnen auch in Zukunft einen Propheten senden wie dich ( = Mose), einen Mann aus ihrem Volk. Ihm werde ich meine Worte eingeben, und er wird sie den Israeliten mitteilen.' (5. Buch Mose 18, 18).

Andere glaubten, Jesus sei der Christus, der lang herbeigesehnte Messias, der das messianische Reich der Gerechtigkeit errichten werde.

Wieder andere waren sicher, Jesus könne gar nicht der Messias sein; denn der Messias werde ein Nachkomme des großen König David sein. Jesus könne als Mann aus Galiäa gar nicht Nachkomme Davids sein, David komme nämlich aus Bethlehem.

Seine Gegner - die Sich wie Gottesbesitzer in Szene Setzende - waren überzeugt, Jesus sei ein böser Gesetzesbrecher, ein volksverführender Irrlehrer und ein vom Teufel stammender Gotteslästerer. Nur das von Gott verfluchte Volk, das keine Ahnung von den religiösen jüdischen Gesetzen hat, laufe diesem falschen Messias nach.

Nach meiner persönlichen Überzeugung kommt es nicht darauf an von außen zu übernehmen, was irgendwelche Menschen, Institutionen und Glaubensagenturen über Jesus den Christus lehren. Mit ist entscheidend auf das zu hören, was mein Herz von Jesus dem Christus erfährt. Was mein Herz erfährt, ist niemals, was jemand anderer als Irrlehre bezeichnet. Mir und allen anderen ist von Gott Geist geschenkt, der mich befähigt, Jesus den Christus und seine Botschaft in meinem Inneren zu erfahren. Wie ich Jesus den Christus erfahre, ist nicht ein für allemal festgelegt, sondern entwickelt sich, entwickelt sich weiter, ist Lernen, ständiges Dazulernen, immerwährendes Neulernen. Meine Beziehung zu Christus ist eine einmalige, ganz persönliche.

In seinen Erzählungen der Chassidim sagt der österreichisch-israelische Religionsphilosoph Martin Buber über die Frage aller Fragen: 'Vor dem Ende sprach Rabbi Sussja: In der kommenden Welt wird man mich nicht fragen: Sussja, warum bist du nicht Mose gewesen? Man wird mich auch nicht fragen: Warum bist du nicht David gewesen? Man wird mich fragen: Warum bist du nicht Sussja gewesen?'