Woher hat er das?
Text: Johannesevangelium 10, 19–30
19 Daraufhin spalteten die Juden sich wieder in zwei Gruppen, und zwar wegen dieser Aussagen von Jesus. 20 Viele von ihnen sagten: 'Der ist doch von einem Dämon beeinflusst und völlig verrückt! Wieso hört ihr ihm überhaupt zu?' 21 Die anderen widersprachen: 'Solche Worte sagt kein Mensch, der unter dem Einfluss von Dämonen steht. Haben die Dämonen etwa die Macht, blinden Menschen das Augenlicht wiederzugeben?' 22 Das alles fand im Gebiet von Jerusalem statt, zur Zeit des jährlichen Lichterfestes, das an die Neueinweihung des Tempels erinnerte. 23 Jesus hielt sich im Tempelgelände auf, und zwar in der Säulenhalle Salomos. 24 Da umringten ihn die Juden und fragten: 'Wie lange willst du uns noch auf die Folter spannen? Wenn du wirklich der Messias bist, so sage es uns klar und deutlich!' 25 Jesus antwortete ihnen: 'Ich habe es euch schon gesagt. Aber ihr glaubt ja nicht! Die Taten, die ich im Namen meines Vaters vollbringe, die sprechen doch eine klare Sprache und zeigen, wer ich bin. 26 Aber ihr vertraut mir nicht, weil ihr nicht zu meinen Schafen gehört. 27 Meine Schafe achten genau auf meine Stimme und ich kenne sie ganz genau. Sie folgen mir überall hin 28 und ich gebe ihnen das unvergängliche Leben. Sie werden bis in alle Ewigkeit hinein nicht verloren gehen. Ja, es wird niemandem gelingen, sie aus meiner Hand zu reißen. 29 Mein Vater ist es, der sie mir anvertraut hat. Und er ist unendlich größer und mächtiger als alles andere. Ja, das steht fest: Niemand kann sie aus der Hand meines Vaters reißen! 30 Ich und der Vater, wir sind eins.'
Gottes Wort ist uns Orientierung
'Jesus von Nazareth erzählt uns von Gott mit Autorität - wie einer, der es drauf hat. Seine Worte haben Gewicht. Er hält keine schönen Sonntagsreden, die mit unserer Lebensrealität nichts zu tun haben. Seine Gottesverkündigung ist für uns überzeugend, verständlich und lebensnah. Unmittelbar berührt sie unser Leben im Alltag. Jesus hat keine Ausbildung in Sachen Gottesverkündigung absolviert. Aber wer ihm zuhört, gewinnt die Überzeugung, dass Jesus hinter die himmlischen Kulissen schauen kann und die Weisheit, die Geheimnisse und die volle Wahrheit Gottes kennt.' So haben Menschen über Jesus gesprochen und haben gefragt: Woher hat er das?
Die Gegner Jesu, die wegen des großen Zuspruchs und Zulaufs vieler Menschen zu Jesus vor Neid erblassten und ihn als unliebsamen Konkurrenten hassten, unterstellten ihm, mit Dämonen im Bunde zu sein. Was er verkünde, stamme vom Teufel. Sie bezeichneten Jesus abfällig als religiösen Schwätzer, Gesetzesbrecher, Irrlehrer und Volksverführer.
Das ist eine gute Frage: Woher hat Jesus seine Weisheit über Gott?
Jesus war durch und durch Mystiker. Früh hat er erkannt, dass Gott nicht im Außen verkopft mit Menschenverstand zu erkennen, sondern im Innen mit Herz und Herzensverstand zu erfahren ist. Denn Gott wohnt in unserem Innen, in unserer Herzensmitte. Jesus hat von jungen Jahren an gelernt, sich mystisch zu versenken und mit Gott eins zu sein. Im mystischen Einssein mit Gott hat er Gottes Wesen der unendlichen Liebe, seine Worte, seine Botschaft an die Welt ERFAHREN. In inniger Verbindung mit Gott hat Jesus sein eigenes Wesen als Menschen- und Gottessohn erfahren. Mit Gott vereint hat er erfahren, dass er der Mensch gewordene CHRISTUS ist, der Messias der Liebe.
Jesus konnte mit Fug und Recht für sich in Anspruch nehmen: Alles, was ich denke, rede und tue, habe ich nicht aus mir selbst, sondern direkt von meinem Vater in den Himmeln.