Die wichtigste Stunde ist Jetzt
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Die wichtigste Stunde ist Jetzt

"Die wichtigste Stunde in unserem Leben ist immer der gegenwärtige Augenblick. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe."
Meister Eckhart

Manche Sätze sind so schlicht, dass sie leicht unbemerkt an uns vorbeiziehen, obwohl sie eine ganze Welt voller Lebensweisheit bergen. Einer dieser Sätze stammt von Meister Eckhart, jenem großen Mystiker des Mittelalters: "Die wichtigste Stunde in unserem Leben ist immer der gegenwärtige Augenblick. Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht, und das notwendigste Werk ist immer die Liebe."

Wie oft aber leben wir ganz anders! Unsere Gedanken kreisen um gestern - um Fehler, Verletzungen, verpasste Chancen. Oder sie eilen hastig in die Zukunft: Was wird morgen sein? Was wird aus mir? Was muss ich noch erledigen? Und während wir in Erinnerungen oder Sorgen gefangen sind, gleitet das Leben selbst unaufhaltsam an uns vorbei.

Meister Eckhart lädt uns ein, im Jetzt anzukommen. Denn nur der gegenwärtige Augenblick gehört uns wirklich. Die Vergangenheit lässt sich nicht mehr ändern. Die Zukunft ist ein ungeschriebenes Buch. Doch dieser Moment - er ist ein Geschenk Gottes.

Auch Jesus lebt ganz aus diesem Augenblick. Er begegnet keinem Menschen nur beiläufig. Als der blinde Bartimäus ruft, bleibt Jesus stehen. Als Zachäus auf seinem Baum sitzt, richtet Jesus seinen Blick zu ihm empor. Als eine kranke Frau heimlich sein Gewand berührt, schenkt er ihr Zeit. Immer gilt seine volle Aufmerksamkeit dem Menschen, der gerade vor ihm steht.

Für Jesus gibt es keinen unwichtigen Menschen. Jeder trägt die Würde eines Kindes Gottes in sich. Deshalb sagt Meister Eckhart: Der bedeutendste Mensch ist immer der, der dir gerade gegenübersteht.

Das verändert unseren Blick aufs Leben. Vielleicht ist es das Kind, das unsere Aufmerksamkeit sucht. Vielleicht ein älterer Mensch, der einsam geworden ist. Oder eine Verkäuferin, ein Nachbar oder ein Fremder. Jeder Mensch kann zum Tor werden, durch das Gott uns begegnet.

Und dann fügt Meister Eckhart hinzu: Das notwendigste Werk ist immer die Liebe. Nicht der größte Erfolg. Nicht Macht oder Ansehen. Nicht Reichtum. Am Ende zählt allein die Liebe.

Liebe zeigt sich nicht in großen Heldentaten, sondern lebt in kleinen Gesten: einem freundlichen Wort, einem offenen Ohr, einem geduldigen Schweigen, einer ausgestreckten Hand, einem Lächeln, einer Umarmung oder dem aufrichtigen Verzeihen.

Gerade diese kleinen Taten verändern die Welt. Sie schenken Hoffnung, wo Mutlosigkeit herrscht. Sie bringen Licht in dunkle Stunden. Sie lassen Gottes Nähe spürbar werden.

Jesus erzählt im Gleichnis vom Weltgericht nicht von außergewöhnlichen Taten, sondern er spricht davon, Hungrige zu speisen, Durstigen zu trinken zu geben, Kranke zu besuchen und Fremde aufzunehmen. Liebe geschieht mitten im Alltag.

Vielleicht suchen wir manchmal nach dem großen Sinn unseres Lebens. Doch Gott führt uns nicht zu spektakulären Aufgaben, sondern zu dem Menschen, der jetzt unsere Aufmerksamkeit braucht. Dort beginnt sein Reich.

→ Kommentar zu Matthäus 21, 28–32

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