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Was Bedürfnis der Zeit, ist Gottes Wille
Die Collage setzt das Wort von Theodosius Florentini (Kapuziner und Sozialreformer, 1808-1865) bildhaft um:
"Was Bedürfnis der Zeit, ist Gottes Wille."
Im Zentrum steht ein Porträt Florentinis. Um ihn herum entfalten sich Szenen aus dem heutigen Leben, die zeigen, wie sein Satz verstanden werden kann: Gottes Willen erkennen wir dort, wo wir wahrnehmen, was Menschen - und die Schöpfung - jetzt brauchen.
Oben links sitzt die Schwester mit ihrem Bruder am Tisch und unterstützt ihn beim Lernen. Bildung, Geduld und persönliche Zuwendung werden so zur Antwort auf das Bedürfnis eines jungen Menschen.
Oben rechts begegnet eine Frau einem obdachlosen Mann auf Augenhöhe. Sie reicht ihm einen warmen Becher. Im Mittelpunkt steht nicht allein die Gabe, sondern die menschliche Nähe: Ich sehe dich. Du bist mir nicht gleichgültig.
Links in der Mitte besucht ein Mann eine ältere Frau im Krankenhaus. Er hält ihre Hand, hört ihr zu und schenkt ihr Zeit. In Krankheit, Alter und Einsamkeit kann die Gegenwart eines anderen Menschen zu einem Zeichen der Nähe Gottes werden.
Rechts davon sieht man eine Mutter mit ihrem Kind in einer zerstörten Stadt. Das Bild erinnert an Krieg, Flucht und Gewalt. Hier wird das "Bedürfnis der Zeit" besonders schmerzlich sichtbar: Menschen brauchen Frieden, Schutz, Heimat, Trost und eine Zukunft ohne Gewalt.
Unten links rettet ein Mann einen Hund aus einem reißenden Bach. Die Sorge gilt damit nicht nur dem Menschen. Auch das bedrohte Leben der Tiere und die Bewahrung der Schöpfung gehören zu unserer Verantwortung.
Das untere mittlere Bild zeigt Menschen unterschiedlicher Herkunft und jeden Alters gemeinsam an einem Tisch. Sie essen miteinander, reden und lachen. Niemand steht außen vor. Das Bild erzählt von Gemeinschaft, Gastfreundschaft und gelebter Solidarität.
Unten rechts begegnen sich Menschen verschiedener kultureller Herkunft in einem Park. Sie sitzen im Kreis, hören einander zu und kommen miteinander ins Gespräch. Verschiedenheit wird nicht als Bedrohung erlebt, sondern als Chance zur Begegnung. Das Bedürfnis unserer Zeit heißt hier: Verständigung statt Ausgrenzung, Begegnung statt Vorurteil, Miteinander statt Nebeneinander oder Gegeneinander.
So wird die Collage zur Auslegung des Satzes von Florentini. Gottes Wille erscheint nicht als etwas Fernes und Rätselhaftes, das irgendwo außerhalb unseres Lebens gesucht werden müsste. Er begegnet uns im konkreten Menschen, der uns braucht, im Leid, das wir lindern können, in der Einsamkeit, die nach Nähe verlangt, in der Gewalt, die nach Frieden schreit, und im Leben, das unseren Schutz braucht.
Gottes Wille ist kein abstraktes Gesetz. Er wird dort sichtbar, wo Menschen die Not ihrer Zeit wahrnehmen und ihr mit Liebe, Empathie und tatkräftiger Hilfe begegnen.